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This book is due on the date indicated below and is subject to a fine of FIVE CENTS a day thereafter.

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in 2009 with funding from

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Director Prof Dr. Thomes

Flora von Deutschland, Österreich

und der Schweiz

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Band V

Kryptogamen-Flora

Moose, Algen, Flechten und Pilze

(die Farne befinden sich in Band I)

ca. 15000 Arten und Varietäten

bearbeitet von

Dr. W. Migula

a. o. Professor der Botanik an der technischen Hochschule zu Karlsruhe

Band 1. Moose.

1904

Friedrich von Zezsctiwitz Botanischer Verlag „Flora von Deutschland"

Gera, R.

Kryptogamen-Flora

«

von Deutschland, Deutsch -Österreich und der Schweiz

im Anschluss an Thome's Flora von Deutschland

bearbeitet

von

Dr. W. Migula

a. o. Professor der Botanik an der technischen Hochschule zu Karlsruhe

Band I. Moose.

1904

Friedrich von Zezschwitz Botanischer Verlag „Flora von Deutschland'

Gera, R.

Alle Rechte vorbehalten.

Vorwort.

Die im Anschluss an die Thome'sclie Flora erscheinende Kryptogamen- flora von Deutschland Osterreich und der Schweiz ist weniger dazu bestimmt, kritische Fragen auf dem Gebiete der Kryptogamensystematik zu entscheiden, als vielmehr allen denen, die sich mit dem Studium der niederen Pflanzen beschäftigen, das Bestimmen und Einarbeiten in diese Pflanzengruppen zu erleichtern, Sie soll insbesondere auch den Anfäno^er so gut wie möglich über die Schwierigkeiten hinweghelfen, die sich ihm beim Bestimmen, Präparieren u. s. w. bieten.

Dieses Ziel konnte nur dadurch erreicht werden, dass die bei der Unter- scheidung wichtigen Charaktere in umfangreicher Weise abgebildet und dass wichtige Vertreter jeder Gattung möglichst naturgetreu und in ihren natür- lichen Farben reproduziert wurden. In erster Linie wurden deshalb lebende Individuen als Orginale für die Abbildungen verwendet, nur wo solche nicht zu erlangen waren, Herbarmaterial, in sehr seltenen Fällen wurden vor- handene Abbildungen neben Herbarmaterial für die Zeichnungen verwendet.

Der mir zur Verfügung gestellte Raum für Abbildungen und Text machte gewisse Beschränkungen nötig. Die Diagnosen mussten knapp ge- halten und auf die wichtigsten Merkmale beschränkt werden. Einige wenige Arten, die imr einmal in geringer Menge oder die nur an den äussersten Grenzen des Gebietes an einem oder wenigen Standorten gefunden wurden, sind nicht erwähnt worden. Ebenso musste in bezug auf die Abbildungen eine Auswahl getroffen werden.

Nur dadurch war es möglich, die Gesamtheit der deutschen Krj-ptogamen in einer Form zu behandeln, die dem Sammler eine zuverlässige Orientierung ermöglicht und die hinsichtlich der Kosten auch dem weniger Bemittelten die Anschaffung gestattet.

Hinsichtlich der Einteilung bin ich aus praktischen Gründen sehr häufig nicht den neuesten Systemen gefolgt: vereinzelt habe ich selbst eine neue Einteilung suchen müssen, meist habe ich mich an bewährte ältere Floren gehalten.

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Wer in dem einen oder anderen Gebiet der Kryptogamen sich gründ- lich eingearbeitet hat, wird auf grössere Werke und Spezialliteratur zurück- gehen wollen. Es ist deshalb am Schluss jeder Abteilung ein Verzeichnis der wichtigsten Literatur gegeben. Schon hier aber möchte ich hervorheben, dass die IL Auflage von Rabenhorst's Kryptogamenflora, die leider noch voraussichtlich nicht so bald beendigt werden wird und wegen ihres hohen Preises auch nicht jedem zugänglich sein dürfte, als eines der wichtigsten grundlegenden Werke anzusehen ist.

Nicht aufgenommen wurden die Bakterien, welche kaum Gegenstand floristischer Beschäftigung sein dürften, sowie die Peridineen, deren unzweifel- haft nahe Verwandtschaft mit den Flagellaten sie dem Tierreich zuweist.

Prof. Dr. W. Migula.

Einteilung der Kryptogamen.

l.'^^Thallopliyta. Pflanzen ohne regelmässigen Generationswechsel, oft ohne geschlechtliche Fortpflanzung. Vegetationskörper meist thallusartig, ohne GKederung in Blatt und Stengel, ohne Differenzierung in verschiedene Gewebe.

Zellen mit Chlorophyll. I. Gruppe: Algae.

Zellen ohne Chlorophyll. IL Gruppe: Fuilgi.

Vegetationskörper durch Vereinigung von Pilz und Alge entstehend. III. Gruppe: Lichenes. 2. Archeg'Olliatae. Pflanzen chlorophyllgrün, mit regelmässigem Generations- wechsel. Vegetationskörper meist in Stamm und Blätter gegliedert, teil- weise schon mit Ausbildung Yerschiedener Gewebe.

Geschlechtliche Generation die eigentliche Pflanze repräsentierend, un- geschlechtliche klein, mit der ersteren dauernd vereinigi;. IV. Gruppe: Moose, Bryopliyta.

Geschlechtliche Generation klein und unscheinbar, ungeschlechtliche die eigentliche Pflanze repräsentierend und von der geschlechthchen, bald zu Grunde gehenden sich loslösend. V. Gruppe: Fariipflaiizen, Pteri- dophyta.

Thome-Migula, Flora. V.

1. Band. Moose, Bryophyta.

Die Moose bilden eine streng abgeschlossene Gruppe der Arcbegoniaten, welche weder nach unten zu den Thallophyten , noch nach oben zu den Pteridophyten Übergänge zeigt. Als Archegoniaten schliessen sie sich frei- lich den Pteridophyten in ihrer Fortpflanzung nahe an, auch zeigen die höheren Formen bereits eine vollständige Gliederung in Stengel und Blätter und treiben wurzelähnliche Gebilde, die Rliizoiden. Ja selbst die ersten An- fänge vom Leitungsgewebe im Stengel und im Blatt sind bei den höheren Formen zu erkennen, indessen sind dies eben nur langgestreckte, zu Bündeln vereinigte Zellen; Gefässe oder Tracheiden gehen ihnen ab. Die Blätter sind meist nur einschichtig, ohne Epidermis, oft mit einer Mittelrippe aus mehr oder weniger langgestreckten Zellen. Eigentliche Wurzeln fehlen den Moosen noch, dagegen besitzen sie wurzelartige Organe, die Rhizoiden, lange schlauch- förmige Zellfäden, die den Zweck der Wurzeln höherer Pflanzen, Nahrungs- aufnalime und Befestigung im Substrat zu erfüllen haben.

Bei den tiefer stehenden Familien der Lebermoose ist eine Differenzierung des Pflanzenkörpers in Stengel und Blätter noch nicht überall erfolgt; aber gerade in dieser Klasse kann man den allmählichen Übergang von den thallusartigen Bildungen zu Formen mit ausgebildeten Blättern und Stengeln gut beobachten.

Allen Moosen kommt ein ausgesprochener Generationswechsel zu. An der Moospflanze entwickeln sich die Blüten mit männlichen Geschlechts- organen, A n t h e r i d i e n , und weiblichen, A r c h e g o n i e n. In den Antheridien entstehen die beweglichen Samenfäden, Spermatozoiden, welche bei Be- netzung der Moosblüte durch Tau oder Regen zu den Archegonien schwimmen, in sie eindringen und die Eizelle im Bauch des Archegoniums befruchten. Aus der befruchteten Eizelle entsteht der Embryo, welcher allmählich zu der zweiten oder ungeschlechtlichen Generation der Mooskapsel oder dem Sporogon heranwächst. In dem Sporogon bilden sich nur auf ungeschlecht-

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lichem Wege die Sporen, welche ausstäuben und dann Zunächst zu einem Vor keim, Protonema, auskeimen. Der Vorkeim ist ein zartes, algen- artiges Gebilde; an ihm entstehen Knospen, die sich allmählich zur ersten oder geschlechtlichen Generation der eigentlichen Moospflanze entwickeln.

Dieser Generationswechsel erleidet keinerlei Unterbrechung; es kann nicht etwa zweimal hintereinander Sporenbilduug ohne dazwischenliegende geschlechtliche Befruchtung der Eizelle stattfinden oder umgekehrt. Im Gegen- satz zu den Pteridophyten oder Farnpflanzen trägst aber die eigenthche Moos- pflanze die Geschlechtsorgane, während bei den Farnen das unscheinbare Prothallium die geschlechthche Generation repräsentiert. Umgekehrt ist bei den Moosen die ungeschlechtliche Generation auf das Sporogon reduziert, welches kein von der geschlechtHchen Generation gesondertes Dasein führt, sondern von dieser getragen und ernähi-t wird. Bei den Pteridophyten da- gegen wird die ungeschlechtliche Generation zur eigentlichen Farnpflanze, welche zwar anfangs mit dem Prothallium verbunden ist, aber bald selb- ständio" wird, während das ProthaUium zu Grunde o-eht.

Die Brjophyten zerfallen in zwei ziemlich scharf voneinander getrennte Klassen, Lebermoose und Laubmoose.

Die Lebermoose, Hepaticae, sind mit einer Ausnahme (Haplomitrium) dorsiventral gebaut, eutAveder tliallusartige flache, blatt- oder laubförmige, meist dichotom verzweigte, oder zarte zweireihig, zuweilen dreireihig be- blätterte Stämmchen bildende Pflanzen. Das Protonema ist klein, vergäng- lich, an der ent^dckelten Pflanze meist nicht mehr wahrnehmbar. Das Sporogon bleibt entweder im Archegoniumbauch eingeschlossen (Riccia), oder durchbricht die Archegoniumwand am Scheitel, trägt also keine Haube. Im Sporogon werden neben Sporen meist auch noch Schleuderzellen (Elateren) gebildet.

Die Laubmoose, Mlisei, sind stets in Stamm und Blätter geghedert., niemals thallusartig. Die Blätter stehen selten zweireihig, meist in Spiralen um den Stengel. Das Protonema ist gut entwickelt, bei manchen Arten mehr- jährig. Das Archegon hebt die am Grunde abreissende Archegon- wand als Haube mit empor. SchleuderzeUen fehlen stets.

I. Klasse: Laubmoose, Musei.

Die Laubmoose sind niemals thallusartig, sondern stellen stets beblätterte Stämmchen dar. Die Blätter stehen meist spiralig rings um den Stengel herum, seltener sind sie zweireihig angeordnet, daher sind die Laubmoose meist radiär gebaut, obwohl bei niederhegenden Stengehi auch dorsiventraler Bau vorkommt. Der Vorkeim ist meist ki'äftig entwickelt, auch an den ent-

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wickelten Pflanzen' noch als konfervenartige grüne Fäden erkennbar, zuweilen ausdauernd. Das Sporogon (Mooskapsel) hebt bei seiner Entwickelung die Wand des Archegoniunis als Haube (Calyptra) empor. Elateren finden sich zwischen den Sporen niemals.

1. Kapitel: Aufbau der Moospflanze.

Die Moospflanze entsteht aus einer Spore (Fig. 1, Tafel I), einer von doppelter Membran umgebeneu Zelle. Die äussere Membran (Exospor oder Exiue) ist gelb oder braun gefärbt, die innere (Endospor, Intine) ist farblos. Bei der Keimung wird die erstere gesprengt, der von der Intine umschlossene, gequollene Sporeninhalt tritt hervor und wächst zu einem verzweigten ein- reihigen Zellfaden heran, dem Protonema oder Vorkeim (Fig. 2, Tafel I).

Das Protonema entwickelt in seinen oberirdischen Zellen Chlorophyll, in den unterirdischen, den als Haftorgane fungierenden Rhizoiden, ist es farblos. Bei wenigen Arten kann das Protonema auch in Form von flächen- förmig ausgebreiteten Zellkörpern auftreten (Sphagnaceae, Andi'eaeaceae). An dem Vorkeim entsteht die eigenthche Moospflanze, indem sich zuerst eine kleine Knospe bildet, die zu dem Moospflänzchen heranwächst. Vorkeim- artige Bildungen können aber auch aus verschiedenen anderen Teilen der Moospflanze hervorgehen. Nach der Entwickelung der eigentlichen Moos- pflanze geht der Vorkeim in der Regel zu Grunde, nur bei einigen kleineren Erdmoosen erhält er sich längere Zeit am Leben.

Die am Vorkeim entstandene Moospflanze lässt eine deutliche Gliederung in Stengel und Blätter und gewöhnlich auch Wurzelhaare, Rhizoiden, er- kennen (Fig. 3).

Die Rhizoiden fehlen den Moosen selten vollständig (regelmässig nur den Sphagnaceen) ; sie sind einfach oder verzweigt und oft weit herauf am Stengel entwickelt, wo sie zuweilen einen dichten Filz, Stengelfllz, bilden. Gewöhnlich besitzen sie braun gefärbte Zellwände (Fig. 4, 5, 6).

Der Moosstamm ist sehr verschieden gebaut; auf Querschnitten er- scheint er rund oder umregelmässig, selbst eckig. Man kann meist dreierlei verschiedene Gewebeformen im Querschnitt erkennen: 1) eine dickwandige, braun gefärbte Rindenschicht, die aussen kleinzellig, nach innen zu all- mählich grosszelliger wird und zuweilen noch eine besonders gestaltete Aussen- schicht zeigt; 2) ein grosszelliges, dünnwandiges, farbloses Grundgewebe, und 3) ein engzelliges Gewebe in der Mitte des Stamm chens, welches Central- strang genannt wird und als rudimentäres Leitbündel aufzufassen ist. Die Zellen desselben sind langgestreckt, meist dünnwandig und farblos, seltener dickwandig und gefärbt, zuweilen (Polytrichaceen) in der Mitte dickwandig,

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nach aussen zu dünnwandiger. Zuweilen gehen von diesem Centralstrang kleinere Stränge in die Blätter als Blattspurstränge ab (Fig. 7, 8).

Der Moosstamm ist meist verzweigt. Die Verzweigungen werden ent- weder nahe am Scheitel angelegt oder können auch aus älteren Stengelteilen entstehen. Im ersteren Falle kann die Verzweigung cymös sein, wenn die Hauptachse z. B. mit einer Blüte abschliesst und die dicht darunter ent- standenen Zweige weiter wachsen; racemös, wenn die Hauptachse weiter wächst. Das erstere ist bei den akrokarpen, das letztere bei den pleuro- karpen Moosen der Fall. Neben diesen Zweigen kommen auch noch Aus- läufer oder Stolonen vor, nackte oder mit rudimentären Blättern besetzte Sprosse, die in wagerechter Richtung foi-twachsen und sich am Ende zu einer normalen Moospflanze aufrichten.

Die Blätter sind im einzelnen zwar sehr verschieden gestaltet und können als Niederblätter, Laubblätter und Hüllblätter oder Perichätialblätter (uui die Geschlechtsorgane) auftreten, zeigen aber doch im allgemeinen einen sehr einfachen Bau. Das Moosblatt besitzt keinen Stiel, sondern besteht nur aus der Spreite (Fig. 9, 1), die stets einfach, ungeteilt und ungegliedert,

Figurenei-klärung zu Tafel I.

Fig. 1. Spore von Funaria hygrometrica. Stark vergrössert.

Fig. 2. Teil eines Protonema von Ephemerum serratum mit weibliclier (2) und an der Basis derselben sitzender männlicher (cf) Pflanze. Der grüne oberirdische Teil des Protonemas ist dunkler gehalten. Schwach vergrössert.

Fig 3. Entwickelte weibliche Pflanze von Mnium punctatum. a Kapsel, s Stiel, b junge weibliche Blüten, bl Blätter, w Wurzelfilz. Natürliche Grösse.

Fig. 4. Männliche Pflanze von Mnium punctatum. a Blüte. Natürliche Grösse.

Fig. 5. Teil eines Wurzelhaares von Bartramia Halleriana. Schwach vergrössert.

Fig. 6. Ein Teil des Stengels von Bartramia Halleriana mit Wurzelfilz. Circa dreifach vergrössert.

Fig. 7. Querschnitt durch den Stengel von Orthotrichum stramiueum. Kinde stark entwickelt, aber Centralstrang fehlt. Schwach vergrössert.

Fig. 8. Querschnitt durch den Stengel von Dicranum scoparium. e Centralstrang. Schwach vergrössert.

Fig. 9. Blattumriss von Mnium punctatum. r Eippe, 1 Spreite, Lamina, ra Rand. Schwach vergrössert.

Fig. 10. Querschnitt durch ein Blatt von Andreaea crassinervia. Rippe ohne weitere Differenzierung. Vergrössert.

Fig. 11. Querschnitt durch die Rippe von Mnium hornum. Rippe mit ausgesprochener Differenzierung. D Deuter, B Begleiter, Sc Sklerenchym oder Stereiden. Vergrössert.

Fig. 12. Querschnitte durch den mehrschichtigen Blattrand von Mnium hornum. Vergrössert.

Fig. 13. Parenchymatische Zellen der Blattspreite von Mnium punctatum.

Fig. 14. Prosenchymatische Zellen der Blattspreite von Bryum binum. Vergrössert.

Fig. 15. Mamillöses Blatt von Bartramia ithyphylla im Querschnitt. Vergrössert.

Fig. 16. Papillöse Zellen aus dem Blatt von Tortula muralis. Vergrössert.

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höchstens am Rande gezähnt ist. Gewöhnlich ist das Blatt von einer mehr- schichtigen Rippe durchzogen, während die Blattlamina selbst einschichtig ist. Die Rippe ist wieder sein' verschieden entwickelt, bald schwach, bald kräftig, bald vor der Spitze des Blattes verschwindend, bald austretend, bald in ein mehr oder minder langes Haar übergehend, glatt, gezähnt u. s. w. Wichtig ist vielfach ihr Bau, wie er an Querschnitten erkennbar wird für die Be- stimmung. In vielen Fällen ist eine Differenzierung der einzelnen, die Rippe bildenden Zellen nicht zu erkennen (Fig. 10), in anderen wieder ist die Rippe aus verschiedenartigen Zellen gebildet, und man findet dann gewöhnhch drei Elemente vertreten, Deuter, Begleiter und Sklerenchjanzellen (Stereiden) (Fig. 11).

Die Deuter (Fig. 11, D) sind grosse, inhaltsleere, selten Stärke führende Zellen mit wenig verdickter Wand in der Mitte oder auf der Oberseite der Rippe (im Querschnitt).

Die Begleiter (B) sind langgestreckte, enge, dünnwandige Zellen, die meist in Gruppen zwischen den Deutern oder ausserhalb derselben liegen; sie dienen besonders der Leitung.

Die Sklerenchymzellen (Sc) sind starke, verdickte, lange Zellen, die meist beiderseits die Deuter und Begleiter in Gruppen oder Bändern begleiten.

Im übrigen kann bald das eine, bald das andere Element fehlen oder in eigenartiger Weise entAvickelt sein.

Die Zellen der Blattlamina sind bald prosenchymatisch, d. h. erheblich länger als breit (Fig. 14), bald parenchymatisch, d. h. ungefähr so lang als breit (Fig. 13). Unterschiede in der Form der Zellen werden sehr oft zur Unterscheidung von Arten oder Gattungen, selbst FamiUen benützt. Am Grunde der Blätter, und zwar an den beiden Ecken, finden sich bei manchen Moosen (Sphagna, Musci pleurocarpi) besonders weitlumige, dünnwandige und meist farblose Zellen, die Blattflügelzellen (Tafel 2, Fig. 1), die ebenfalls vieKach zur Unterscheidung herangezogen werden.

Die Blattzellen sind meistenteils gleichartig, wenn auch in Form und Grösse an der Spitze des Blattes oft anders als in der Mitte oder an der Basis. Bei Sphagnum und Leucobryum ist das Blatt aber aus vollständig verschiedenen Zellen, grossen chlorophyllfreien, als Wasserspeicher dienenden und kleinen chlorophyllführenden zusammengesetzt (Tafel IV, Fig 15 und Tafel XIV, Fig. 16). Die grossen Zellen des Sphagnumblattes zeichnen sich ausserdem noch durch die ring- oder spiralfaserige Verdickung und die meist grossen Poren aus, sodass sie nicht mit anderen Moosblättern zu ver- wechseln sind.

Die Zellwand ist entweder glatt oder mit Papillen besetzt, was man namentlich gut an Blattquerschnitten erkennen kann (Tafel I, Fig. 16). Diese

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Papillen, kleine Erhölmngen oder Höcker stehen meist unterseits, seltener auch auf der Oberseite, und werden oft so stark, dass sie wie Zähnchen aus- sehen, oder wemi sie mehrspitzig sind, wie Wärzchen. Zu unterscheiden sind die Maiiiillen, bei denen nicht nur die Zellmembran, sondern auch das Zelllumen mehr oder weniger höckerartig aufgetrieben ist (Tafel I, Fig. 15).

Eigentünihche Bildungen sind die einschichtigen Längslamellen auf der Oberseite der Blätter bei den Polytrichaceen (auch bei Ptervgoueurum), die auf dünnen Querschnitten (Tafel XXXII, Fig. 3, 9, 17) wie reihenweise stehende, gegliederte Zellfäden aussehen. Sie sind chlorophyUi-eich und dienen der Assimilation. Bei einigen Pottiaceen sind es thatsächlich nur geghederte ZeUfäden an Stelle der Lamellen, die der Assimilation dienen. Bei den übrigen Moosen sind jedoch die Blätter ohne solche Bildungen, und die Zeilen der Lamina allein besorgen das Greschäft der Assimilation.

Wichtio- ist auch flu- die Unterscheidung der Alien die Form und der Bau des Blattrandes. Derselbe kann glatt oder gezähnt oder gesägi oder ge'VN'impert (Hedwigia) u. s. w. sein. Auch ist der Rand selbst, oder eine diesem parallellaufende Schicht dünner, langgestreckter Zeilen, der Blattsaum zu- weilen zwei- oder mehrschichtig (Tafel I, Fig. 12).

Die Geschlechtsorgane der Laubmoose, Antheridien und Archegonien werden meist in Gru2)pen angelegt und bilden zusammen mit den Perichätial- blättern die Blüte oder den Blutenstand.

Die Antheridien (Tafel II, Fig. -4) sind meist kurzgestielte, keulen- förmio-e Oro-ane mit schliesshch einschichtio-er Wanduno-, innerhalb deren die Spermatozoiden entstehen (Tafel II, Fig. 5).

Die Archegonien (Tafel n, Fig. 6, 7) sind flaschenförmige Organe mit langem Hals und ebenfalls einschichtiger, im Bauchteil mehrschichtiger Wandung, welche im Hals eine Reihe dünner, später verschleimender Zellen (Halskanalzellen, h), im Bauch die eigenthche Eizelle (e) und die zur Zeit der Empfängnisfähigkeit ebenfalls verschleimende Bauchkanalzelle imischliesst.

Figurenerklärung zu Tafel II.

Fig. 1. Blattbasis von Fontinalis hypnoides mit Flügelzellen. Vergrössert.

Fig. 2. Fuss (f) des Sporogons in das Gewebe der Moosptianze eingesenkt. Vergrössert.

Fig. 3. Kapsel von Mnium punctatum. U Urne, P Peristom, D Deckel, H Hals. Schwach vergrössert.

Fig. 4. Antberidienstand von Mnium punctatum (männliche Blüte), an Antheridien, p Paraphysen, b Blätter. Stark vergrössert.

Fig. 5. Spermatozoid. Sehr stark vergrössert.

Fig. 6. Archegonienstand (weibliche Blüte) von Mnium punctatum. ar Archegonien, p Paraphvsen, b Hüllblätter. Stark vergrössert.

Fig. 7. Archegonium. Noch stärker vergrössert. e Eizelle, h Halskanal.

Fig. 8. Brutkörperbehälter von Georgia pellucida.

Zu dieser Zeit öffnet sich der Hals des Ai'chegons an der Spitze, die Sperma- tozoiden dringen ein und die Eizelle wird befruchtet.

Neben Antheridien und Archegonien kommen meist noch eigentümlich gestaltete, haarartige Zellfäden, die Paraphysen oder Safthaare, vor, die bei den einzelnen Arten wegen ihrer Verschiedenartigkeit zur Unterscheidung dienen (Fig. 4, p).

Die Blüten sind entweder zwitterig, wenn Antheridien und Arche- gonien in demselben Blütenstand vereinigt sind, oder eingeschlechtig ein- häusig (monoecisch), wenn sie in verschiedenen Blütenständen, aber an der- selben Pflanze vorkommen, oder endhch zweihäusig (dioecisch), wenn Antheridien und Archegonien auf verschiedene Pflanzen verteilt sind. Bei zwitterigen Blüten können nun wieder die Antheridien und Archegonien von den gleichen Hüllblättern umschlossen sein oder doch wenigstens, wenn auch durch besondere Hüllblätter getrennt, in einer gemeinschaftlichen Knospe stehen (synoecischer Blütenstand), oder die Archegonien stehen in einer besonderen Knospe am Sprossgipfel und die Antheridien darunter in den Achseln der Blätter (paroecischer Blütenstand). Heteröcisch nennt man den Blütenstand, wenn bei derselben Ali gleichzeitig paroecische und synoecische Blütenstände vorkommen. Schliesslich kommen auch, wenn auch selten, Antheridien und Archegonien bald auf derselben, bald getrennt auf ver- schiedenen Pflanzen bei der gleichen Art vor (polyoecischer Blütenstand). Die Untersuchung des Blütenstandes ist bei vielen Gattungen (z. B. Bryum) durchaus notwendig zur Bestimmung der Arten.

Aus der befruchteten Eizelle des Archegons geht das Sporogon oder die Mooskapsel hervor (Tafel H, Fig. 3). Dieselbe besteht im ausgebildeten Zustand aus drei Teilen, dem Stiel (Seta), der Kapsel oder Büchse (Capsula) und der Haube (calyptra).

Der Stiel ist ein kürzerer oder längerer fadenartiger Träger der Moos- kapsel, der mit seinem unteren Teile, dem Fuss (f) in die Achse der Moos- pflanze eingesenkt und von einem Teile derselben, dem Scheidchen (vaginula), an der Basis umgeben, aber nicht damit verAvachsen ist (Fig. 2). Er kann sehr verschieden lang sein, bei manchen Moosen (z. B. Archidium) ist er fast rudimentär. Gewöhnhch ist er zur Zeit der Sporenreife rot oder gelb gefärbt, oft im trockenen Zustande schraubig gedreht, zuweilen im oberen Teil in der entgegengesetzten Richtung als im unteren. Nicht zum Sporogon gehörig, also kein Kapselstiel ist das sogenannte Pseudopodium bei Sphag- num und Andreaea; hier ist es ein unbeblätterter Spross der Moospfianze, der geschlechtlichen Generation, der als Träger fungiert.

Die Kapsel oder Büchse, die oft allmählich durch einen mehr oder weniger deuthch abgesetzten Halsteil in den Stiel übergeht, ist ein ver-

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hältnismässig hoch organisiertes und kompliziert gebautes Organ. Sie hefert die bedeutendsten und wichtigsten Merkmale zur Unterscheidung der Moose. Im allgemeinen lassen sich an der Mooskapsel Kapselwand, Sporensack, Columella, Ring, Peristom und Deckel unterscheiden. Die Lage dieser Teile ist folgende: Die Kapsel wand schliesst die Mooskapsel nach aussen ab, die Columella bildet ein Säulchen in der Mitte der Kapsel, gleichsam als Fort- setzung des Stieles; zwischen beiden befindet sich der Sporensack. Nach oben zu wird die Kapsel durch den Deckel abgeschlossen, zwischen welchem und der Kapsel eine ringförmige Zellschicht, der ßliig, der beim Offnen der Kapsel eine Rolle spielt, liegt. Unterhalb des Deckels, gleichsam als zweiter Verschluss der Kapsel, befindet sich der sehr kompliziert und verschieden- artig ausgebildete Mundl)esatz oder das Peristom. Nicht bei allen Moosen sind alle Teile gleichzeitig ausgebildet; vielen Arten felilt das Peristom, einigen der Deckel oder Ring oder selbst die Columella (vergleiche Tafel III, Fig. 1 und Erklärung).

Die Kapselwand ist zwei- oder mehrschichtig; die äusserste Zellschicht stellt die Epidermis dar, deren Zellen mitunter infolge ihrer Gestalt, Tüpfelung oder Buckelung oft gute Artmerkmale abgeben. Wichtig sind die in der Kapselepidermis bei den meisten Laubmoosen auftretenden Spaltöffiiiiii2:en. Man nennt die Spaltöffnungen phaneropor, wenn die Schliesszellen in gleicher

F igurenerklärung zu Tafel III.

Fig. 1. Kapsel von Fuuaria hygrometrica im Querschnitt, e Epidermis der Kapsel- ■wand, 1 Luftraum, s Spannfäden, sp Sporensack mit Sporen, c Columella, r Ring, p Peristom, d Deckel. Schwach vergrössert.

Fig 2. Kappenförmige Haube von Barbula convoluta. Schwach vergrössert.

Fig. 3. Regelmässige Haube von Polytrichum commune. Schwach vergrössert.

Fig. 4. Phaneropore Spaltöffnung von Dicranum scoparium, s Schliesszellen. Stark vergrössert.

Fig. 5. Kryptopore Spaltöffnung von Mnium punctatum. s Schliesszellen.

Fig. 6 Schildförmige Spaltöffnung von Funaria hygrometrica. s Schliesszellen.

Fig. 7. Schematische Darstellung der Peristombildung. a Ein Peristomzahn aus den Verdickungsschichten zweier äusserer und einer inneren Zelle, b einer äusseren und zweier innerer gebildet, im Querschnitt gedacht. Die dunkel schraffierten Teile der Zellen sind die Verdickungsschichten, welche beim Zerfall der Zellen stehen bleiben und den Peristomzahn bilden, daher bei a die Mittellinie zwischen den Zellen (m) aussen bei b innen verläuft.

Fig. 8. Teil eines Peristoms von Tortula muralis. b Basilarmemliran. Vergrössert.

Fig. 9. Inneres Peristom von Mnium punctatum. Zwei Zähne (z) mit dazwischen liegenden drei Wimpern (w). Vergrössert.

Fig. 10. Äusseres Peristom von Mnium punctatum. Die beiden Zähne zeigen schwache Papillen und eine schwache Läng.slinie. Vergrö.ssert.

Fig. 11. a Peristomzahn von Dicranum scoparium, grubig längsstreifig, ohne Längs- linie aussen, vergrössert, b ein Querglied desselben, stärker vergrössert, g Querglieder (aussen), I Lamellen (Innenseite).

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Hölie mit den Zellen der Epidermis liegen (Tafel III, Fig. 4). kryptopor, wenn sie tiefer als die Zellen der Epidermis liegen und von diesen zum Teil überdeckt werden (Tafel III, Fig. 5). Ausserdem sind noch die selten vor- kommenden schildförmigen Spaltöffnungen zu erwähnen (Tafel III, Fig. 6), bei welchen die kleinen Schliesszellen innerhalb einer einzigen Epidermis- zelle liegen, ähnlich wie dies unter den Farnen bei der Blattepidermis von Aneimia der Fall ist. Am häufigsten finden sich die Spaltöffnungen am Grunde der Kapsel, da wo sie in den Hals oder Ansatz übergeht, zuweilen sind sie über die ganze Kapsel zerstreut.

In dem Sporensack werden die Sporen gel^ildet, rundliche, einzellige Körper von sehr verscliiedener Zahl und Grösse. Sehr oft ist der Sporen- sack von der Kapselwand durch einen Luftraum getrennt; letzterer wird dann durch chlorophyllreiche Fäden, Spannfäden, durchzogen, die den Sporen- sack mit der Kapsehvand verbinden (Fig. 1 und Erklärung).

Die Columella oder das Mittelsäulchen ist sehr verschieden ausgebildet. Den Archidiaceen fehlt sie ganz, bei den Sphagnaceen bildet sie nur eine halbkugelige Erhöhung am Kapselgrunde, bei den Andreaeaceen ist sie zwar säulenförmig, wird aber von dem Sporensack überlagert, nur bei den Bryinae durchbricht sie den Sporensack.

Der Deckel (operculum) schliesst die Öffnung der Mooskapsel und wird zur Zeit der Sporenreife abgCAvorfen. Er ist bei den Andreaeaceen, Archi- diaceen und den kleistokarpen Formen der Bryinae entweder überhaupt nicht vorhanden oder so wenig entwickelt, dass er bei der Sporenreife nicht ab- fällt, sodass die Sporen erst durch Verwesung der Kapselwand frei Averden. Die Form des Deckels ist sehr verschieden; gewöhnlich stellt er ein mit einem Spitzchen versehenes, flach- oder hochgewölbtes Käppchen dar; doch sind aus seiner Form und aus der Beschaffenheit des Spitzchens wichtige Merkmale abzuleiten. Das Abwerfen des Deckels geschieht gewöhnlich in der Weise, dass die darunter liegende Gewebsschicht vertrocknet und, wo ein Ring vorhanden ist, die sehr hygroskopischen Zellen desselben aufcjuellen und den Deckel abheben. Seltener bleibt die Gewebsschicht unter dem Deckel an der Kapsel selbst haften, wo sie entweder wie bei den Georgiaceen mit dem Peristom verbunden ist oder wie bei Tayloria an der Columella als Ver- dickung der Spitze hängen bleibt oder endlich eine über die Urnenöffnung gespannte Haut bildet.

Der ßing (annulus) ist eine zwischen Deckel und Kapsebnund befind- liche Zone dünnwandiger, leicht c^u ellbarer Zellen, die sich zur Zeit der Sporenreife infolge von Wasseraufnahme stark vergrössern und infolgedessen von der Kapsel ablösen. Er ist durchaus nicht allen Moosen eigen und ist, wo er vorkommt, sehr verschieden ausgebildet.

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Der Mttlldbesatz oder das Peristom ist durch die Verscliiedenartif;- keit der Ausbildung für die Systematik der Moose von besonderer Wiclitio-- keit geworden. Es ist ein aus Zähnen oder Wimpern gebildeter eigenartiger Verschluss der Kapselmündung, durch ausserordenthch starke hygroskopische Eigenschaften ausgezeichnet. Bei trockenem Wetter richten sich die einzelnen Zähne auf und gestatten so das Ausstäuben der Sporen, bei nassem legen sie sich zusammen und verschliessen die Öffnung.

In vielen Fällen ist das Peristom doppelt, dann ist das innere zarter, hautartig, ungefärbt, das äussere derber, gelb oder rot gefärbt, mit ver- schiedenartiger Struktur.

Gewöhnlich ist das einfache oder bei doppeltem Peristom das äussere in einzelne Zähne gegliedert; dieselben bestehen jedoch ausser bei Splachnum nicht aus Zellen, sondern stellen nur die in den Ecken verdickten und zu- sammenhaftenden Wände vertrockneter Zellen dar. Die Entstehung dieser Zähne ist aber nicht die gleiche bei allen Moosen, und sie ist darum wichtig, weil die für die Bestimmung hochbedeutsamen Strukturen zum Teil auf die Entwicklung der Zähne zurückzuführen ist.

GewühnHch entsteht ein Peristomzahn aus den in einer Ecke zusammen- stossenden Verdickungsschichten dreier Zellreihen (vergleiche Tafel III, Fig. 7 und Erklärung). Liegen zwei Zellreihen nach aussen, so bemerkt man auf der Aussenfläche der Zähne eine mehr oder weniger deutliche Linie, welche der Scheidewand zwischen jenen Zellreihen entspricht; Hegen zwei Zellreihen nach innen und die dritte nach aussen, so liegt die Linie auf der Innenseite der Peristomzähne. Zuweilen (Barbula) werden die Zähne aus den Ver- dickungsschichten von vier ZeUreihen gebildet.

Da jede der Zellreihen aus mehr oder minder zahlreichen, übereinander- stehenden Zellen gebildet v\drd, lassen sich auch den Querwänden derselben entsprechend an den Peristomzähnen Querlinien bemerken; Dabei werden die nach innen vorspringenden Leisten Lamellen, die nach aussen vorspringenden Quergheder oder Querbalken genannt.

Das äussere und das einfache Peristom besteht meist aus 16 oder 32 Zellen, die zuweilen paarweise verbunden sind oder selbst Doppelpaare bilden: seltener sind 4, 8 oder 64 Zähne vorhanden. Diese sind entweder bis zur Basis getreimt oder die Basis der Zähne bildet eine mehr oder minder hohe, zusammenliängende Haut, die Basilarmenibran. Die Zähne selbst können ebenfalls wieder mehr oder minder tief in zAvei oder drei Schenkel geteilt sein, oder sie sind stellenweise durchbrochen. Die Aussenseite ist viäeder glatt oder gestreift oder papillös u. s. w.

Das innere Peristom (Tafel III, Fig. 9) bildet meist an der Basis eine zusammenhängende, gewöhnlich farblose oder nur schwach gefärbte

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Haut, die in verschiedenartige Wimpern und Fortsätze ausläuft. Oft ist diese Haut kielfaltig (zwischen je zwei Zähnen des äusseren Peristoms) eben- falls durchbrochen. Mitunter fehlt die Haut, und es sind nur einzelne Wimpern vorhanden (Orthotrichaceae) oder es ist nur als einfache wimperlose Haut entwickelt. Die Einzelheiten der Ausbildung werden noch bei den einzelnen Familien besprochen und abgebildet werden.

Der Hals fehlt manchen Moosen ganz, und der Stiel geht unvermittelt in die Kapsel über; bei anderen Arten erweitert sich die Seta allmählich zur Kapsel, und dieses oft ziemlich lange Stück wird als Hals bezeichnet (Tafel IX, Fig. 7). Unter Umständen kann dieser Halsteil besondere Entwickelung er- fahren und deuthch von der Kapsel abgesetzt sein (Polytrichum) , ja selbst die Urne an Dicke übertreffen (Splachnaceen). Man bezeichnet ihn dann als Ansatz (Apophyse).

Die Haube ist die weiter entwickelte Wand des Archegoniums, welche bei der Längsstreckung des Stieles an der Basis abgerissen und als Mütze über der Kapsel in die Höhe gehoben wird. Sie bleibt nur bei Sphagnum und Archidium in unregelmässigen Fetzen am Grunde zurück und wird nicht emporgehoben. Sie ist ihrer Gestalt nach sehr verschiedenartig und ebenfalls für die Unterscheidung der Arten wichtig. Sie ist entweder an einer Seite aufgeschhtzt, kappenförmig (Tafel XVHI, Fig. 17, 24) und bedeckt dann die Kapsel hauptsächlich nur auf einer Seite, oder sie ist regelmässig mützenförmig (Tafel XVIH, Fig. 21, 23), wenn sie die Kapsel an der Spitze ringsum gleichmässig deckt.

Ausser dieser regelmässigen Aufeinanderfolge von geschlechtlicher und ungeschlechthcher Fortpflanzung giebt es noch eine rein vegetative Ver- mehrung durch losgetrennte Zellen oder Zellenkomplexe, die in Form und Herkunft sehr verschieden sein können. Besonders mag hier nur auf die zierhchen und häufigen Köpfchen mit Brutzellen bei Georgia pellucida (Tafel H, Fig. 8) hingewiesen werden. Übrigens können solche Brutzellen (Gemmen) oder Brutknospen oder endlich auch Zweigvorkeime aus beliebigen vegetativen Organen der Moospflanze entstehen.

2. Kapitel: Aufsuchen, Sammeln und Bestimmen der Moose.

Moose lassen sich das ganze Jahr hindurch sammeln; zu jeder Jahres- zeit fruchten wenigstens einige Arten, und für den Anfänger ist es wichtig, zunächst nur fruchtende Moose mitzunehmen. Zum Sammeln ist eine Botanisiertrommel oder auch ein Rucksack geeignet, ausserdem für kleine Moose eine Anzahl Papierdüten, an deren Stelle man zweckmässig auch alte Couverts verwenden kann, für grössere Arten Bogen von festem, am besten Pergamentpapier, in welchem sich die Moose sehr gut erhalten. Eine Lupe

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und Pincette, wenn man felsbewohnende Moose sammeln will auch ein Hammer und Meissel und ein gutes, festes Messer sind unentbehrHch.

Findet man ein Moos, welches man mitnehmen wiU, so rupft man nicht etwa einzelne Pflänzchen aus, sondern sucht den ganzen Rasen mit dem unteren verfilzten Teil von dem Substrat abzulösen. Bei sehr kleinen Erdmoosen, z. B. den meisten Cleistocarpen, schneidet mau mit dem Messer die Erdschicht mit den Moosen ab und schlägt sie vorsichtig in Papier. Bei auf Felsen wachsenden Moosen sucht man flache Stücke von dem Fels abzusprengen, Wassermoose werden leicht ausgedrückt, alle aber sofort sorg- fältig in Papier eingeschlagen und am besten auch gleich Fundort und Datum auf der Hülle notiert. Das sorgfältige Einschlagen der Moose ist deshalb sehr wichtig, weil sehr leicht von manchen Arten Deckel oder Hauben verloren gehen können und diese beim Bestimmen oft sehr not- wendig sind. Auch kommen sonst nahe verwandte, äusserhch kaum zu unterscheidende Moose untereinander, und man hat dann oft eine enorme Mühe, alles wieder richtig zu ordnen.

Moose kommen überall vor, fast jede Gegend hat irgend welche charakte- ristische Vertreter; besonders schöne und interessante Arten finden sich im Gebirge. Doch auch die Ebene und die Hügehegion haben ihre Seltenheiten. Wohin der Moossammler sich wendet, wird er Moose finden, nur sind die Moose nach den einzelnen Lokahtäten verschieden. Sümpfe, Moore, Teich- ränder, alte Ausstiche au Ziegeleien und Eisenbahnen, feuchte Wiesen und Äcker, Grabem-änder, Dämme, Abhänge, Wälder, Mauern, Dächer, besonders alte Sclündeldächer, trockene und nasse Felspartien u. s. w., alle beherbergen ihre eigentümhchen Formen. Auch darauf ist zu achten, dass auf Kalk oft ganz andere Arten vorkommen als auf kalkfreiem Substrat.

Ein und dieselbe Gegend ist in den verschiedenen Jahreszeiten wieder- holt abzusuchen. Je genauer und öfter ein Punkt nach Moosen abgesucht wird, um so grössere Ausbeute hefert er. Lieber keine zu grossen Ex- kursionen machen, sondern ein beschränktes Gebiet gründhch nach allen Richtungen hin absuchen! Erst wer sich an einem kleineren Gebiet im Sammeln geübt hat, kann hoffen, auf grösseren, womöghch mehi-tägigen Ex- kursionen mit Erfolg zu sammeln. Denn auch das Sammeln wiU gelernt sein. Der richtige Bhck für geeignete Standorte wird erst aUmälilich ei-^^orben.

Über das Vorkommen der Moose an bestimmten Lokahtäten mag hier zur allgemeinen Orientierung folgendes ei"5\'ähnt werden.

Vorwiegend auf Torfboden leben DicraneUa cerviculata, Campylopus turfaceus, flexuosus, brevipilus, Dicranodontium longirostre, Metzleria alpina, Trematodon, Bryimi Marattii, cyclophyllum, Polytrichum gracile, peri- goniale.

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In Torfmooren, tiefen Torfsümpfen, nassen Stellen im Walde kommen vor: Sphagnum, Dicranum Bergeri, Cinclidium stygium, Paludella squarrosa, Meesea, Amblystegium filicinum, die Sektionen Acrocladion, Caliergon, Dre- panocladus und zmn Teil Cratoneuron der Gattung Hypnum.

Auf sumpfigen, torfigen Wiesen leben Dicranum Bonjeani, Fissidens osmundoides, adiantoides, Bryum longisetum, uliginosum, bimum, cirratum, neodamense, Duvalii, turbinatum, Mnium cinclidioides, Amblyodon, Meesea, Aulacomnium palustre, Philonotis fontana, caespitosa, Polytrichum strictum, commune, Climacium, Camptothecium nitens, Brachythecium Mildeanum, Amblystegium hygrophilum, Kocliii.

An quelligen, moorigen Bachrändern, feuchtem Waldboden wachsen Bryum Schleichen, pseudotriquetrum, Mnium hornum, lycopodioides, riparium, serratum, undulatum, medium, Seligeri, punctatum, subglobosum, Philonotis fontana, seriata, adpressa, Pterygophylluni lucens, Brachythecium rivulare, Amblystegium riparium.

Im Wasser leben Dichodontium flavescens, DicraneUa squarrosa, Fissidens crassipes, Mildeanus, rufulus, Arnoldi, Pachyfissidens grandifrons, Octodiceras, Julianum, Cinclidotus, die Fontinalaceen, Amblystegium fallax, fluviatile, irrigium, die Sektionen Scorpidium, Hygrohypnum und zum Teil Cratoneuron der Gattung H^^jnum.

An feuchten Felsen, Wasserfällen, periodisch überrieselten Steinen u. s. w. finden sich Pleuroweisia, Anoectangium, Molendoa, Eucladium, Rhabdoweisia denticulata, Dichodontium, Dicranum virens, Wahlenbergii, DicraneUa squar- rosa, Dicranium falcatum, Fissidens rivularis, Blindia, Racomitrium aciculare, protensum, fasciculare, affine, Orthotrichum rivulare, Breutelia arcuata, Brachythecium plumosum, Hyocomium flageleare, Rhynchostegiella Jacquinii, Thamnium, Amblystegium irriguum.

Auf feuchten, namentlich kalkfreien Felsen der Gebirge und in deren Ritzen leben Dicranum fulvellum, Blyttii, Starkei, Sendtneri, Scottianum, fulvum, longifolium, albicans, Campylopus Schimperi, Schwarzii, subulatus, fragilis, atro virens, polvtrichoides, Dicranodontium aristatum, circinatum, Fissidens, pusillus, Brachydontium, Campylostelium, Dryptodon patens, Hart- mamii, atratus, Amphidium, Orthotrichum nudum, urnigerum, Schubartianum, Tetrodontium, Brownianum, Mielichhoferia, Anomobryum, Bryum cuspidatum, paUescens, obconicum, Mühlenbeckii, alpinum, Mildeanum, die meisten Bar- tramiaarten, Heterocladium heteropterum.

Auf den Humusschichten an feuchten Felsen, an beschatteten Steinen und in Felsspalten leben Myurella julacea, apiculata, Careyana (alle besonders auf Kalk), Anomodon apiculatus, attenuatus, longifolius, rostratus, Pterogonium gracile, Isothecium, Rhynchostegiumarten, Plagiotheciumarten.

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In Felshölilen sind zu suchen Tetrodontium BroAvnianum, Schistosteffa.

Trockene Felsen und deren erdhaltige Ritzen werden bewohnt von Andreaea (kalkmeidend), Gyinnostomuni, Gyroweisia, Hymenostylium (auch im Wasser), Weisia crispata, Dicranoweisia crispula, compacta, Rhabdoweisia fugax, denticulata, Oreas, Cynodontium schisti, gracilescens, fallax, torquescens, polycarpum, strumiferam, Oreoweisia (kalkmeidend). Fissidens decipiens, Grimmia, Schistidium . Coscinodon, Racomitrium sudeticum. heterostichum, microcarpum, Brachysteleum, Hedwigia, Hedwigidium, Braunia, Ulota americana, curvifolia, Orthotrichum anomalum, saxatile, cupulatum, Sardagnanum, para- doxum, alpestre, rupestre, Sturmii, Kiliasii, Brymn Kunzei, Anomodon tristis, Pseudoleskea patens.

Bewohner besonders kalkhaltiger Felsen oder kalkhaltigen Bodens sind die Sehgeriaceen, Ditrichum glaucescens, flexicaule, Distichium, Zygodon gra- cilis, Orthotrichum perforatum, Funaria, mediterranea, Bryum subrotundum, elegans, Funckii, Plagiopus Oederi, Philonotis calcarea, alpicola, Timmia bayarica, austriaca, megapohtana, norwegica, Leskea catenulata, Ptychodium plicatum, Orthothecium, Cylindrothecium , Homalothecium Phihppeanum, Camptothecium lutescens, Brachythecium laetum, Rhpichostegiella tenella, curviseta, Amblystegium, Sprucei, confervoides, filicinum, die Sektionen Chryso- hypnum und Ctenidium der Gattung Hypnum.

Bewohner von Mauemtzen, Felsspalten, sandigen Plätzen u. s. w. sind die Pottiaceen, Encah'ptaceen, Leptobryum, Bryum torquescens, cuspidatum, caepiticeum, murale, Funckii, Homalothecium sericeum.

Sandige, kiesige, teils feuchte, teils trockene Wegränder, Berglehnen, Geröllhalden u. s. w. werden von den meisten Arten der Gattung Webera bewohnt, ferner von Polytrichum alpinum, juniperinum, Brachythecium glare- osum, albicans.

Auf trockenem thonig-sandigem Boden, zersetzten Sandsteinfelsen u. s. w. kommen vor Dicranella heteromalla, Ditrichum zonatum, Racomitrium ca- nescens lanuginosum, Funaria dentata, Conostomum boreale, Polytrichum piliferum, sexangulare, juniperinum, Lescuraea saxicola, Ptychodium Pfundtneri, decipiens und andere Arten, Brachythecium glareosum, albicans.

Auf feuchten, sandigen Plätzen, Heideland u. s. w. leben Bryum warneum, pendulum, arcticum, calophyllum, lacustre, inclinatum, fallax, intermedium, ciiTatum, Sauteri, badium, caespiticium, Mildeanum erythrocarpum, versicolor, atropurpureum, KlinggTäffii, BHndii, argenteum, pallens, Philonotis marchica, Catharinea angnistata, tenella, Oligotrichum, Pogonatum nanum, urnigerum aloides.

Auf BergTN'iesen und Triften der Hochalpen sind zu suchen Dicrauum neglectum, Mülilenbeckii, elongatum.

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Alpenweiden, humöse torfige Stellen und besonders die Viehlagerstätten auf denselben werden bewohnt von Voitia nivahs, den Splachnaceen.

Auf Wiesen, Ackern, Grabem-ändern, Teichschlamm u. s. w. finden sich Nanomitrium, Ephemerum, Ephemerella, Physcomitrella, Acaulon, Phascum, Mildeella, Aschisma, Astomum, Pleuridium, Sporledera, Bruchia, Hymenosto- mum, Weisia viridula, Wimmeriana, rutilans, Ganderi, Dicranella Schreberi, crispa, rufescens, humilis, varia, Discelium nudum, Pyramidula, Physconiitrium, Enthostodon, Funaria hygrometrica, Mniobryum.

Auf Waldboden leben Dicranum undulatum, majus, scoparium, spurium, Leucobryum, Mnium spinulosum, spinosum, rostratum, Drummondii, cuspi- datum, affine, stellare, Polytrichum formosum, commune, Buxbauniia aphylla, Diphyscium sessile, Heterocladium squarrosulum, viele Alien von Thuidium, Brachythecium campestre, die meisten Eurhynchiumarten, Plagiotheciumarten, Hypnum Crista castrensis, Hylocomium.

An Waldrändern, schattigen Waldblössen und feuchten Hohlwegen im Walde sind heimisch Dicranella subulata, curvata, Fissidens bryoides, in- curvus, exilis, taxifohus, Trichodon, Funaria hygrometrica, Rhodobryum, Catharinea undulata, Hausknechtii , Pogonatum nanum, Scleropodium ille- cebrum, purum.

Modernde Baumstämme bevorzugen Dicranum congestum, fuscescens, montanum, flagellare, strictum, viride, longifolium, Sauteri, Georgia pellucida, Aulacomnium androgynum, Buxbaumia indusiata, Brachythecium, curtum, Plagiothecium, Amblystegium radicale.

An Holz und Rinde, alten Stämmen u. s. w. leben Zygodon viridissimus, conoideus. Forsten, Sendtneri, Ulota Ludwigii, phyllantha, Drummondii, Bruchii, intermedia, crispula, Rehmanni, Orthotrichum diaphanum, Winteri, pulchellum, leucomitrium, pallens, microcai-pum, stramineum, patens, Bramiii, pumilum, Schimperi, Rogeri, tenellum, fastigiatum, affine, ShaiAii, speciosum, acuminatum, leiocarpum, LyeUii, obtusifoHum, gymnostomum, caUistomimi, Cryphaea, Leucodon, Antitrichia cm'tipendula , Leptodon Smithii, Neckera pennata, pumila, crispa, complanata, Besseri (sämthch auch an schattigen Felsen ebenso), Homaha trichomanoides, sämtliche Fabroniaceen, Leskea nervosa, polycarpa, Anomodon apiculatus, attenuatus, longifoHus, Pterigynan- drum filiforme, Lescuraea striata, Platygyrium, Pylaisia, Isothecium myurum, Homalothecium sericeum, Brach}i;heciuni salebrosum, sericeum, populeum, Starkei, rutabulum, reflexum, Amblystegium subtile, varium, serpens, Juratz- kanum riparium.

Auf Dächern (Stroh-, Schindel-, Ziegel-), Holzzäunen u. s. w. leben Dicranoweisia cirrata, Leskea tectorum (auch Ziegeldächern), Brachythecium populeimi.

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Freilich sind die natürlichen Lebensbedingungen so ausserordenthch ver- schieden, dass sich dieselben nicht alle nach besonderen Ortlichkeiten be- schreiben lassen, und manchmal wird man ein Moos auch an anderer Stelle auffinden als an der hier angegebenen.

Was die Reifezeit der Mooskapsehi anbetrifft, so sind nicht nur Höhen- lage und Substrat, sondern auch ganz besonders Witterungsverhältnisse dabei masso-ebend; nicht selten kann die Fruchtzeit hierdurch um Monate ver- schoben werden. Einzelne Arten kann man fast das ganze Jahr mit Kapseln antreffen (z. B. je nach Standort Funaria hygrometrica). Im allgemeinen halten aber die Moose an bestimmten Fruchtzeiten fest.

Die gesammelten Moose werden zu Hause zwischen graues Fliesspapier gebracht und leicht gepresst; insbesondere bei Lebermoosen darf der Druck nur ganz leicht sein, wemi sie nicht ein o-auz imcharakteristisches Aussehen annehmen sollen. Auch beim Trocknen hüte man sich, die Moose dm-ch- einander zu bringen; am besten schützt man sich davor, wenn man kleinere Moose direkt in Kapsehi aus Fliesspapier einschhesst und in diesen zwischen das täglich zu wechselnde trockene FHesspapier legt. Mit dem Fliesspapier gehe man nicht zu sparsam um, lieber einen Bogen in jeder Lage mehr als zu wenig. Das feuchte Fliesspapier wird an der Sonne, am Ofen u. s. w. ge- trocknet. Sind die Moose ganz trocken, so werden sie aus den FHesspapier- kapsehi herausgenommen und in Kapseln von festem, starkem Schreibpapier gebracht. Um solche Kapsehi herzustellen, wird ein längHch- rechteckiger Bogen von entsprechender Grösse einige Centimeter unterhalb der Mitte quer gefalzt, dann das überstehende Stück umgebogen und nun die beiden Seiten ebenfalls um einige Centimeter, aber nach der anderen Seite, umgebrochen. Die Breite der umzubieo-enden Ränder richtet sich nach der Grösse der Kapsel, doch sollen dieselben niemals zu schmal sein, da sonst die Kapseln leicht aufgehen.

Auf die Kapsel wird Xame des Mooses, Autor, Fundort-, Unterlage (Fels, Rinde u. s. av.), Datum, Xame des Sammlers bemerkt; etwaige Besonder- heiten müssen natürhch stets notiert werden. Die weitere Anlage des Herbars muss dem Geschmack des Einzelnen überlassen bleiben; am billigsten mid einfachsten sind Mappen aus starker Pappe.

Wenn man das Moos, welches man gesammelt hat, nicht kennt, sondern erst bestimmen muss, ist es zweckmässig, einen Teil des Räschens nicht ein- zulegen, sondern flu- die Untersuchung zurückzubehalten. Am besten halten sich die Moose auf feuchtem Sand (etwa auf einem Porzellanteller), wenn sie von einer Glasglocke bedeckt werden. Lidessen ist es zweckmässig, die Bestimmuno- möo-lichst bald vorzunehmen.

Thome-Migula, Flora. V. 2

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Will man einzelne Arten in grösserer Menge und besonders tadelloser Beschaffenlieit einlegen, so empfiehlt es sich bei genügender Zeit, die Rasen gleich an Ort und Stelle in Fliesspapier einzulegen. Besonders geeignet sind hierzu die von Fr. Ganzenmüller in Nürnberg angefertigten Schneiderschen Gitterpressen, die sich auch zu Haus zum Pressen der Moose vorzüglich eio-nen. Dieselben lassen sich wie eine Botanisiertrommel umhängen und sind, weim man Lebermoose mit langen, leicht abbrechenden Fruchtstielen sammeln will, durch nichts anderes zu ersetzen. Beim Sammeln und so- fortigen Einlegen in diese Gitterpressen hat man noch den nicht zu unter- schätzenden Vorteil, dass das Untereinandergeraten verschiedener Moose sicher vermieden wird.

Dem Anfänger ist unter allen Umständen zu raten, nicht zu viel Arten auf einmal zu sammeln, von jeder Art, die er mitnehmen will, nur die schönsten und entwickeltsten Raschen zu nehmen und, wie nochmals hervor- o-ehoben werden mag, nur gut fruchtende Arten zu berücksichtigen.

Das Bestimmen der Moose wird dem Anfänger manche Schwierigkeiten bereiten, wenn er nicht nach einer gewissen Methode verfährt, um sich nicht nur die nötige technische Fertigkeit beim Präparieren, sondern auch eine Grundlegende Kenntnis der wichtigsten Moosformen anzueignen. Es kann daher jedem, der die Absicht hat, sich mit Moosen zu beschäftigen, nur em- fohlen werden, sich zunächst an der Hand getrockneter, genau bestimmter Moosarten über die verschiedenen Formen der Moose zu orientieren: 50 Arten, und zwar die häufigsten und gemeinsten, überall verbreiteten, reichen dazu aus. An diesen soU der Bau des Stammes und der Blätter, besonders aber die Kapsel mit dem so wichtigen Peristom, mit Deckel und Haube genau untersucht werden. Hat sich der Anfänger dann ein hinreichend klares Bild von den wichtigsten Familien und Gattungen der Moose entworfen, so kann er an das Sammeln und Selbstbestimmen des von ihm Gesammelten gehen. Auch dann werden ihm freilich noch oft genug Zweifel aufstossen, aber das o-eht bei schwierigen und kritischen Arten auch dem besten Mooskenner mit- unter so. Kommt er mit einer Bestimmung nicht zum Ziel, so soU das sicher Festgestellte kurz bei dem Moose bemerkt und aufgehoben werden; später, wenn sich seine Mooskenntnis erweitert, wird ihm die Bestimmung vielleicht